Positive Investoren-Stimmung ist mit Vorsicht zu genießen
Wien, 01. Oktober 2024 – Der European Venture Sentiment Index von Venionaire erfasst jedes Quartal die Stimmung unter europäischen Top-Investoren und gibt einen Ausblick, was die Startup-Branche erwartet. Nach seinem Höchststand vergangenes Quartal, konnte er mit Ausblick auf das vierte Quartal 2024 sogar noch etwas zulegen. Berthold Baurek-Karlic, Vorstandsvorsitzender der Venionaire Capital AG, mahnt aber zur Vorsicht: „Nach über einem Jahr steigender Zuversicht, flacht die Kurve momentan etwas ab. Es könnte für Startups schwer werden, noch passende Investments vor Jahresende zu finden.“
Basierend auf den Bewertungen europäischer Startup-Aktien, der Qualität des Deal-Flows und dem Verhalten von Anlegerinnen und Anlegern, veröffentlicht Venionaire Capital vierteljährlich den „European Venture Sentiment Index“. Die Grundlage für die Erhebung bildet eine Umfrage unter Investorinnen und Investoren (von regulierten Risikokapitalfonds bis hin zu Family Offices), die den gesamten europäischen Raum sowie alle Startup-Sektoren abdeckt. Als Stimmungsbarometer von Risikokapitalgeberinnen und -gebern sowie Business Angels gewährt der Index in Folge Ein- wie auch Ausblicke auf die Entwicklung der europäischen Innovationskraft.
Stimmung weiterhin gut, Ergebnisse hinter den Erwartungen
Das Positive vorweg: Seit einem Jahr steigt die Stimmung unter den Investoren stetig und erreicht mit 6,1 Punkten einen neuen Höchststand für das vierte Quartal 2024 (Steigerung um 0,7 Prozent zum Q3/24, 21,1 Prozent im Jahresvergleich). Verhalten zeigt sich der tatsächliche Index, der mit 5,1 Punkten im dritten Quartal weit hinter den Erwartungen der Investoren zurückblieb – wohl auch, da zum Zeitpunkt der Befragungen, die Fed noch keine Zinssenkungen bekannt gab. „Anhaltende geopolitische Spannungen, Unsicherheiten im Vorfeld der US-Wahlen, sowie Sorgen, sich mit dem Fokus auf KI zu viel auf einen Trend zu verschreiben, schränken die Handlungsfähigkeit von Investoren ein und dämpfen den Ausblick ein wenig“, so Berthold Baurek-Karlic, Vorstandsvorsitzender der Venionaire Capital AG.
In Zahlen bedeutet das einen herben Rückgang bei den Deals und den Investitionsvolumina. Im dritten Quartal wurden insgesamt 10,9 Milliarden US-Dollar in europäische Startups investiert – rund 31,5 Prozent weniger als im vorangegangenen Quartal. Die europäischen „Big 3“, Großbritannien, Deutschland und Frankreich, hielten ihre führenden Positionen und waren zusammen für 7,8 Milliarden US-Dollar der Investitionen verantwortlich. Dennoch verringerte sich ihr Investitionsvolumina um 34,2 Prozent (Q2/24: 1,9 Milliarden Dollar) zum Vorquartal und ließ ihren Anteil an europäischen Investitionen um 3,9 Prozent auf 71,3 Prozent sinken. Eine genauere Betrachtung zeigt, dass vor allem Großbritannien als Powerhouse der europäischen Startup-Ökonomie Federn lassen musste. Rund 35 Prozent weniger Investitionsvolumina (Q3/24: 4,5 Milliarden Dollar) gegenüber dem Vorquartal (Q2/24: 6,9 Milliarden Dollar) verschaffen den Briten einen leichten Dämpfer nach einem sehr starken zweiten Quartal. Auch die Anzahl der Deals sank in Großbritannien um 21,2 Prozent auf 257 (Q2/24: 326).
Deutschland hingegen konnte im Vergleich zum Vorquartal wieder Boden gut machen und rückt von Platz drei auf Platz zwei vor. Insgesamt wurden 2,2 Milliarden Dollar im dritten Quartal investiert, eine Steigerung um rund 39,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal (Q2/24: 1,6 Milliarden Dollar). Im gleichen Zeitraum stiegen auch die Deals um 13,1 Prozent auf 95.
In Frankreich gab es im dritten Quartal für Startups wenig zu holen. Das Investmentvolumen sank um 66,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal auf 1,2 Milliarden Dollar (Q2/24: 3,4 Milliarden Dollar). Ebenso wurden 70 Deals weniger abgeschlossen als im Q2/24, was in 100 Deals gesamt und einem Minus von 41,2 Prozent resultiert.
Spannendes Jahresfinale steht bevor
Wie könnte es nun weitergehen? Laut Stimmungsbarometer kann die Branche die positive Stimmung aus dem Vorquartal mitnehmen. Investorinnen und Investoren erwarten für das vierte Quartal 2024 unter anderem einen Anstieg der Investmentaktivitäten um 2,7 Prozent und sehen auch wieder mehr Wettkampf unter den Investoren. „Das sind positive Vorzeichen für europäische Startups, die in der Vergangenheit oft damit zu kämpfen hatten, Investitionen zu finden. Nicht zuletzt deswegen, versuchen etliche Startups, die nichts mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben, diese in ihr Geschäftsmodell einzubauen“, so Baurek-Karlic. Etwas getrübter sieht der Ausblick für die allgemeine Bewertung von Startups, sowie die Deal-Qualität aus. Während Startup Bewertungen 9,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal verlieren, wird erwartet, dass die Deal-Qualität um 4,8 Prozent zurück geht. „Es bleibt abzuwarten, ob wir zum Jahresende noch einen wahren Sprint erleben oder ob Investoren noch wichtige Ereignisse wie die neue US-Präsidentschaft abwarten. Spannung ist jedenfalls gegeben“, so Baurek-Karlic abschließend.
Den gesamten European Venture Sentiment Index können Sie hier downloaden.
Methodologie:
Der “European Venture Sentiment Index” ist ein gewichteter Index. Der Index legt den Schwerpunkt auf die Bewertungen (ob die Preise von Start-up-Aktien in Europa als über-, neutral oder unterbewertet angesehen werden). Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Qualität des Deal-Flows und die Fähigkeit oder Bereitschaft der Investoren, derzeit zu investieren. Sie basiert auf einer vierteljährlich wiederkehrenden Umfrage. Venionaire erhebt Antworten von einer Fokusgruppe und einer kleineren Kontrollgruppe. Diese Datensätze werden in zwei Wellen erhoben. In beiden Gruppen befinden sich ähnliche Gruppen von Schlüsselakteuren aus allen wichtigen europäischen Startup-Hubs (einschließlich der Schweiz und des Vereinigten Königreichs).
Über die Venionaire Group:
Venionaire Capital ist auf Risikokapital- und Private-Equity spezialisiert. Die 2012 gegründete Firma mit Hauptsitz in Wien unterstützt mit seinen Experten laufend Konzerne, mittelständische Unternehmen und Family Offices in komplexen Finanzierungsfragen. Eine besondere Expertise des Hauses liegt in den Bereichen Innovation, High-Tech und Wachstumsunternehmen (Start-ups). Services reichen in der Nische Venture Capital und Private Equity von Due Diligence, Unternehmensbewertung, Deal-Strukturierung, Fondsmanagement, bis zu klassischer Transaktionsbegleitung (M&A). Die Partner des Unternehmens investieren selbst regelmäßig über den European Super Angels Club, welcher gemeinsam mit Partnern von KPMG Österreich gegründet wurde. Mehr dazu unter www.venionaire.com.


